01.11.2006: Kaufberatung - AGP-Rechner mit welcher günstigen Grafikkarte für Windows Vista aufrüsten?

Windows Vista steht vor der Tür und wird wohl tatsächlich wie geplant im Januar 2007 auf den Markt kommen. Wer sich dafür interessiert, dürfte schon mitbekommen haben, dass es einen neuen Grafikmodus bzw. ein neues Oberflächen-Design namens Aero gibt. Dieses beruht auf einer neuen Schnittstelle zur Grafikkarte, WDDM genannt. Durch die Einbeziehung des Grafikkartenprozessors (GPU) und auf der Basis von Vektorberechnungen kombiniert mit Pixelshader-Verfahren wird so eine Oberflächendarstellung erzeugt, die 3-D-Funktionen mit verbesserten Licht-, Transparenz und Schatteneffekten ermöglicht.

Während man anfangs beim Umstieg von XP auf Vista 3-D-Effekte wie "Windows Flip" (3-D-Umschaltung zwischen allen aktuell ausgeführten Anwendungsprogramme) auf den ersten Blick noch als überflüssigen Spielkram einstuft, so merkt man doch nach einiger Zeit des Arbeitens mit Vista, dass mehr dahinter steckt. Vista kann zwar auch im so genannten "Classic Modus" betrieben werden, sieht dann aber bei weitem nicht so chic aus und muss außerdem die Berechnung der Oberfläche weiterhin der CPU auferlegen. Außerdem verspricht Microsoft ein stabileres, absturzsichereres Arbeiten auf Basis von WDDM-Grafikkartentreibern. Unterm Strich kann man sagen: Vista ohne Aero und WDDM-fähige Grafikkarte macht nicht so richtig Sinn.

Wer jetzt erwägt, seinen vorhandenen Rechner - in den meisten Fällen wohl noch mit AGP-Grafikkarte - mit Windows Vista zu betreiben, steht schnell vor der Frage: tut es meine alte, vorhandene Grafikkarte dafür überhaupt noch. Und wenn nicht, kann ich noch (möglichst preiswert) auf ein anderes Modell umsteigen. Denn das Problem von AGP-Rechnern ist mittlerweile: es gibt nur noch eine geringe Zahl von passenden Grafikkarten. Zumeist eher in den oberen Regionen leistungsfähiger Spielekarten wie einer Nvidia 7800 GS oder 7600 GS. Ich berichtete darüber bereits in einer früheren News.

Nun ist aber der Kauf einer solchen Hochleistungskarte nicht jedermanns Sache. Zum einen kosten Sie gut gut 100 Euro und mehr (teilweise bis 300). Zum zweiten verbrauchen sie viel Strom und werden gerade im 3-D-Betrieb sehr heiß. Häufig haben sie daher auch einen aktiven Lüfter und erhöhen damit die Geräuschkulisse durch den Rechner.

Wer dagegen wie ich kein Spielefreak ist und zum Arbeiten überwiegend auf die bewährten Matroxkarten (z. B. G550, P650) gesetzt hat, sieht sich beim Blick auf Windows Vista enttäuscht: alle derzeitigen Matrox-Karten kann man unter Vista nur im Classic Modus betreiben. Es bleibt abzuwarten, ob Matrox eine Vista-fähige neue Grafikkarte rausbringt, bisher gibt es keine Anzeichen dafür. Und wenn, dürfte diese wohl nur noch für das moderne PCI-Express sein.

Das führt uns zu der Frage: welche Karte kauft man möglichst am unteren Ende der Preisskala, wenn man keinen Wert auf Spieleleistung legt, niedrigen Stromverbrauch, geringe Hitzeentwicklung und passive Kühlung will? Mein grundsätzlicher Favorit in diesem Segment wären derzeit Nvidia 7300 GS-Karten, jedoch gibt es die leider (noch?) nicht für den AGP-Bus. Der unterste Einstieg ist hier eine 7300 GT, die es meines Wissens aber nur mit aktiver Kühlung gibt und die auch eher in der 100 Euro-Region liegen. Ein weiteres Manko aller mir bisher bekannten ATI- und Nvidia-Karten für AGP: Sie verfügen nur über einen DVI-Anschluss. Zwei TFT-Monitore im Dualmonitoring digital anzuschließen kann man also grundsätzlich knicken. Und auch Trimonitoring unter Vista mit AGP-Rechnern kann man vergessen, denn es gibt keine wirklich funktionierende PCI-Grafikkarte, die für den Anschluss des dritten Monitors notwendig ist. Zwar bietet Sparkle eine Nvidia 6200-Karte für den PCI-Bus mit 128 MB an, jedoch hat diese nach meinen persönlichen Testen ein großes Problem: in Verbindung mit einer weiteren AGP-Karte gibt es massive Probleme (bis hin zum Aufhängen des Systems) bei der Videowiedergabe. Das ist also nix.

Bleibt also eine einzelne AGP-Karte - mit folgender Wunschliste: Passiv gekühlt, 256 MB (wichtig zum Anschluss von zwei 19"-TFT-Monitoren) nur so hoch getaktet und performant, wie für Windows Vista sinnvoll ist und möglichst preiswert. Nach reichlicher Recherche und etlichen Testkäufen kann ich sagen, da bleiben derzeit nur zwei vernünftige, verfügbare Möglichkeiten: eine Nvidia GeForce 6200 oder eine ATI Radeon 9550. Während erstere noch recht gut verfügbar sind (z. B. bei Alternate, ca. 60 Euro), verschwindet letztere offenbar gerade vom Markt. Hier gilt es also evtl. bei Interesse schnell zuzugreifen. Bei Alternate ist keine mehr im Programm (Achtung: nicht mit der 9550 SE verwechseln). Aber KM-Elektronik hat beispielsweise noch Karten von der Firma Connect3D im Programm (63 Euro). Tipp: wenn man eine Preissuchmaschine verwendet, bekommt man oft einen Link auf den KM-Elektronik-Shop, bei dem die Karte ca. 10 Euro günstiger zu haben ist (ca. 53 Euro). Wer also direkt auf den KM-Elektronik-Shop geht, bezahlt mehr als wenn man über eine Preissuchmaschine geht. Vermutlich trifft das mittlerweile bei vielen Anbietern auch so zu.

Bei den Nvidia-Karten wird Aero zwar ab einer Geforce 5200 unterstützt, jedoch kratzt bereits die schnellere 6200 am unteren Ende der für Vista sinnvollen Leistung. Das von Vista mitgelieferte Tool zur Leistungsüberprüfung ermittelt für eine 6200 einen Leistungsindex von 2,0 (je höher die Zahl desto besser). Während die übrigens Komponenten eines Pentium 4-PCs mit 2,8 GHz zumeist Leistungsindizes um die 3-4 erreichen, ist auf einem solchen PC also die 6200er-Grafikkarte das Geräte mit dem geringsten Leistungsindex.

Anders die ATI: Aero wird hier ab einer Radeon 9500 unterstützt, jedoch gibt es von den Karten der 9xxx-Baureihe nur noch sehr wenige Modelle zu kaufen. Und die modernen Karten der X1000-Serie sind mir persönlich zu überdimensioniert in Preis und Leistung. Siehe dazu auch meinen früheren Newsbericht über den Vergleich der X1000-Serie zu den aktuellen Nvidia-Karten der 7000er-Serie. Eine 9550 ist durchaus ein sehr guter Kompromiss. Sie ist - wohl insbesondere wegen ihres 128 Bit-Speicherinterface - schneller als die Geforce 6200 (Vista-Leistungsindest 3,3), wird aber kaum heißer. Tatsächlich werden beide Karten beim normalen Betrieb unter Windows (auch Windows Vista) am Kühler kaum mehr als handwarm. Dank der besseren Performance lassen sich auch 3-D-basierte Simulationsprogramme wie z. B. Google Earth schneller ausführen. Und günstig ist die erwähnten Connect3D außerdem. Weiterhin erscheint mir die Bildqualität über den analogen Ausgang etwas besser als bei der Nvidia-Karte (persönlicher Eindruck bei meinen Exemplaren und Monitoren).

Allgemeines Fazit: Wer derzeit seinen vorhandenen AGP-Rechner noch für Windows Vista fit machen möchte und mit dem Kauf einer dafür notwendigen, neuen und günstigen Grafikkarte liebäugelt (weil beispielsweise bisher eine Matrox-Karte verwendet), sollte schnell zugreifen und sich noch eine der letzten passiv gekühlten Radeon 9550 mit 256 MB besorgen. Mir ist kein anderes Modell außer der Karte von Connect3D bekannt. Unter Nutzung einer Preissuchmaschine sollte man es für wenig mehr als 50 Euro aber noch bekommen (siehe obere Links). Vermutlich aber nur noch für kurze Zeit. Danach bleibt einem nur noch der Griff "nach unten" zu einer Nvidia 6200 (doch etwas langsam) oder nach oben zu einer ATI X1300 aufwärts oder einer Nvidia 7300 GT aufwärts. Wer jedoch gerne spielt und dafür auch bereit ist, mehr auszugeben, dem ist hier natürlich mit solchen leistungsfähigeren Karten besser bedient. In dem Fall empfehle ich eine Nvidia 7600 GS, die es als AGP-Ausführung mittlerweile von diversen Firmen gibt. Vergleiche dazu meinen früheren, oben verlinkten Newsartikel. Ich persönlich bin mit der Connect3D 95500 absolut zufrieden, sie läuft stabil und ausreichend perfomant. Damit ist sie der Geheimtipp für alle Vista-Umsteiger.

Fazit speziell für Matrox-Nutzer: Wer dank Matrox unter XP mit AGP, 3 Monitoren (evtl. sogar mit DVI) arbeitet, findet für Vista keine wirkliche Alternative. Hier sollte man bei XP bleiben oder Vista eben im Classic-Modus betreiben. Sinn macht das aber nicht sonderlich. Besser ist es, noch etwas zu warten und sich später gleich einen neuen Rechner zu kaufen. Wer mit 2 Monitoren arbeitet und Wert auf DVI-Anschluss legt, findet auch keine Alternative bei ATI oder Nvidia (zumindest nicht bei preiswerten AGP-Karten). Wer damit leben kann, einen der beiden Monitore analog anzuschließen, kann aber auf die genannte Radeon 9550 umsteigen. Gleiches gilt für Nutzer von Matrox-Karten mit nur einem Monitor. (av/pc-lexikon.info).

Ergänzende Artikel im Lexikon 2007: Windows Vista, Grafikkarte, DVI, Pixelshader, AGP, PCI-Express

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